From Architecture to Ecosystem: Repoliticising Mediation in Sudan’s Fragmented Peace Landscape
Working Paper 1/2026
Jan Pospisil
Keywords: Sudan, Mediation, Konflikt, Frieden, Sicherheit
Abstract:
Der Sudan verdeutlicht eine Form der Mediation, die nicht mehr den traditionellen Annahmen über Friedensprozesse entspricht. Seit April 2023 hat sich der Krieg zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces vollständig regionalisiert und internationalisiert. Regionale Akteure prägen die militärische und politische Dynamik und engagieren sich gleichzeitig als Vermittler. In diesem Umfeld fungiert Mediation eher als politisches Instrument im Kampf um Legitimität denn als neutraler Mechanismus zur Konfliktlösung. Es ist eine komplexe Landschaft paralleler Initiativen entstanden, die nebeneinander existieren, ohne zu einem einzigen Prozess zu konvergieren.
Herkömmliche Vermittlungsrahmen interpretieren dieses Umfeld falsch. Fragmentierung wird häufig als Dysfunktion betrachtet und mit Forderungen nach harmonisierten und linearen Friedensbemühungen beantwortet. In einem Kontext wie dem Sudan spiegelt Fragmentierung jedoch das Fehlen eines gemeinsamen politischen Horizonts unter den externen Akteuren wider. Sie spiegelt auch den strategischen Einsatz der Vermittlung selbst wider. Versuche, Kohärenz durchzusetzen, schränken den politischen Spielraum ein und verschleiern, wie Mediation unter den gegenwärtigen Bedingungen funktioniert. Unterscheidungen nach Verhandlungssträngen verzerren die Analyse zusätzlich, da sie auf Annahmen über einen geordneten Verlauf und kontrollierbaren Einfluss beruhen, die in solchen Situationen nicht zutreffen.
Mediation und Dialogarbeit im Sudan finden in einem Umfeld statt, das am besten als Mediationsökosystem beschrieben werden kann. Innerhalb dieses Ökosystems entsteht Legitimität eher durch Verhalten und nachhaltige Bemühungen als durch formelle Mandate oder offizielle Anerkennung. Eine wirksame Praxis legt den Schwerpunkt auf partizipatorisches Engagement, Dauerhaftigkeit statt Schnelligkeit, nicht-extraktive Formate und eine sorgfältige Beobachtung der Auswirkungen einzelner Initiativen auf das politische Umfeld insgesamt. Die Sudan-Dialoginitiative spiegelt diesen Ansatz wider, indem sie politische Handlungsfähigkeit und einen ergebnisorientierten Dialog aufrechterhält, ohne eine Angleichung zu erzwingen. Mediation bleibt dann wirksam, wenn sie den politischen Spielraum bewahrt und politische Optionen offen hält.
Jan Pospisil (pospisil(at)ac4p.at) ist assoziierter Forscher am Österreichischen Institut für Internationale Angelegenheiten und Mitforscher bei der Peace and Conflict Resolution Evidence Platform, PeaceRep (Universität Edinburgh).
Zuvor war er außerordentlicher Professor an der Coventry University (2022–2025), Forschungsdirektor am Austrian Centre for Peace in Stadtschlaining (2018–2022) und Forscher an der Edinburgh Law School (2015–2017). Seine Arbeit befasst sich mit Prozessen des dauerhaften Übergangs in bewaffneten Konflikten, untersucht Alternativen zur liberalen Friedensförderung und beschäftigt sich mit den Übergangsprozessen im Südsudan und im Sudan.
