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Geschichte des ASPR

Beständiger Namensgeber der Friedensburg

Die Geschichte des ASPR beginnt im Jahr 1982 mit der Gründung des „Österreichische Institut für Friedensforschung“ (ÖIF) von Dr. Gerald Mader, burgenländischer Landesrat für Kultur, gemeinsam mit der damaligen Wissenschaftsministerin Dr. Hertha Firnberg. Nach seinem Ausscheiden aus der Burgenländischen Landesregierung wurde Mader 1985 ehrenamtlicher geschäftsführender Präsident. Er prägte nachhaltig nicht nur die Entwicklung des Instituts, sondern auch die Entwicklung von Stadtschlaining.

Die 1980er Jahre standen ganz im Zeichen des Aufbaus, nicht nur eines inhaltlichen Profils, sondern auch einer Infrastruktur, die bis heute das Stadtbild Schlainings prägt: Die Burgbastei und das Granarium waren zur Gänze zerstört. Das Institut schaffte es, hauptsächlich mit Privatspenden, diesen Teil der Burg als Konferenzzentrum wiederaufzubauen. Die Eröffnung erfolgte 1987. Gleichzeitig wurde das ehemalige Zeughaus als Konferenz- und Seminarhotel ausgebaut und nahm 1988 seinen Betrieb auf. Die ehemalige Synagoge in Stadtschlaining wurde vom Institut gekauft und renoviert und 1989 mit Zustimmung der Israelitischen Kultusgemeinde die Friedensbibliothek darin untergebracht. Schließlich wurde auch das Studentenwohnheim, das Haus International, errichtet, welches 1992 seinen Betrieb aufnahm.

Die ASPR Aktivitäten prägten das Schlaininger Stadtbild. Zu den Teilnehmenden an ASPR Veranstaltungen und Trainingskursen und den EPU Studierenden aus aller Welt gesellten sich die Besucher*Innen des Friedensmuseums und im Burghof und Burggraben tummelten sich zahlreiche Schulkinder der Friedenswochen. Für die Bevölkerung unbemerkt hielten sich auch hochrangige Politiker*innen, Minister*innen, religiöse Würdenträger, Medientycoons und Wirtschaftsmagnaten, aber auch Vertreter*innen von als terroristisch eingestufter Organisationen im Ort auf, um einen konstruktiven Konflikt-Dialog zu führen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Die in den 1980er Jahren aufgebaute Infrastruktur erforderte eine umfassende Renovierung, die finanziell unmöglich vom ASPR bewältigt werden konnte. Verhandlungen mit dem Land Burgenland führten schließlich dazu, dass 2019 das Hotel Burg Schlaining in die KurbadAG Bad Tatzmannsdorf eingegliedert wurde, die Verwaltung der Burg vom ASPR auf die Kulturbetriebe Burgenland überging und das Friedensmuseum geschlossen wurde, um für die Jubiläumsausstellung 2021 – „Wir sind 100“ – Platz zu schaffen. Schließlich erfolgte 2020 auch die Räumung der Friedensbibliothek aus der Schlaininger Synagoge.

Dass die Burg Schlaining weltweit als Friedensburg bekannt geworden ist, ist aber nicht nur ein Verdienst Gerald Maders, sondern auch der zahlreichen Mitarbeiter*Innen, Mitglieder von Vorständen und Beiräten, Förder*innen und Unterstützer*innen, Friedensforscher*innen und Friedenaktivist*innen, und nicht zuletzt von sehr vielen Teilnehmer*innen an ASPR Veranstaltungen & Trainings aus aller Welt.

 

Europäische Friedensuniversität – EPU

Bereits ab 1985 gab es auch Bestrebungen, eine Friedensuniversität aufzubauen, 1987 brachte das Institut bei der UNESCO - Generalversammlung den Antrag für die Errichtung einer Europäischen Friedensuniversität ein, der einstimmig angenommen wurde. 1988 kam es zur Gründung des Schwesterinstituts des ASPR, des „Europäischen Universitätszentrums für Friedensstudien“ (European University Centre for Peace Studies – EPU), 1990 wurde das erste Pilotsemester abgehalten und 1992 begann der reguläre Betrieb.

Die EPU-Studierenden und ASPR-Kursteilnehmenden aus aller Welt wurden Teil des alltäglichen Lebens der Bewohner*innen von Stadtschlaining. Mönche aus Butan in weinroten Roben spazierten gemeinsam mit Aktivist*innen aus Nigeria in farbenprächtigen Kleidern und Kopftüchern durch die Straßen, und im kleinen Pub von Stadtschlaining hörte man plötzlich mehr Englisch als Deutsch. Um ein gegenseitiges Kennen- und Miteinander-lernen zu ermöglichen, besuchten die EPU-Studierenden regelmäßig die Schulen im Ort, um über ihre Länder und Gesellschaften zu erzählen, und wurden wiederum von der Ortsbevölkerung zu Festen und Familienessen eingeladen. Das ASPR wurde zum größten Arbeitgeber der Stadtgemeinde.

2010 beschloss die österreichische Bundesregierung, Basissubventionen für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das ASPR zu streichen. Gleichzeitig musste die EPU in eine Privatuniversität umgewandelt werden, da es nur noch Universitäten bzw. Hochschulen erlaubt war, Master-Studienlehrgänge anzubieten. Konnte die Finanzierung des ASPR durch die Eingliederung in einen anfangs von der Universität Klagenfurt und später der Universität Graz koordinierten Forschungs-Cluster „Konflikt, Frieden und Demokratie“ relativ rasch gesichert werden, scheiterte die EPU daran, dass die nötige Finanzierung nicht gefunden werden konnte. Die 2010 verliehene Akkreditierung als Privatuniversität wurde deshalb 2013 wieder aberkannt und die EPU musste 2014 nach 22 Jahren, ihren Betrieb schließen.

Bis dahin studierten mehr als 1.650 Personen aus 125 Ländern an der EPU, das Lehrpersonal kam aus 42 unterschiedlichen Ländern, speziell auch aus dem Globalen Süden. Die Studierenden aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen lebten jeweils für drei Semester gemeinsam im Haus International. Viele von ihnen kamen aus Krisen- und Kriegsgebieten, sodass ein einzigartiger Lernraum geschaffen werden konnte, in dem nicht nur Theorie, sondern auch reale Erfahrungen und Praxis der Friedens- und Konfliktarbeit reflektiert werden konnten. Institutsgründer Gerald Mader zog sich mit der Schließung der EPU nach 32 Jahren ehrenamtlichen Engagements nicht nur aus dem täglichen Management zurück, sondern schied auch aus allen Gremien aus.

 

Friedensbibliothek

Die ehemalige Synagoge in Stadtschlaining, welche seit Vertreibung bzw. Ermordung der jüdischen Familien im Nationalsozialismus leer stand, wurde vom Institut gekauft und renoviert. 1989 wurde mit Zustimmung der Israelitischen Kultusgemeinde die Friedensbibliothek des Instituts darin untergebracht. Heute verfügt diese über einen Buchbestand von mehr als 31.000 Bänden und vielen Fachzeitschriften. Damit ist sie eine der größten einschlägigen friedenswissenschaftlichen und -pädagogischen Fachbibliotheken in Europa. Die Mitarbeiter*innen der ASPR Friedensbibliothek übernahmen auch die Unterstützung jüdischer Schlaininger Nachkommen bei der Erforschung ihrer Ahnen.

Die Synagoge nutzen seit 2021 die Kulturbetriebe für Ausstellungen - die Bibliothek ist vorübergehend in einem Übergangsstandort und deshalb nicht öffentlich zugängig. Der Bibliotheksbetrieb ist jedoch aufrecht. Der gesamte Bestand kann online recherchiert werden. Auf Anfrage werden Bibliographien bzw. Literaturvorschläge zu bestimmten Themen erstellt. 
 

Friedensmuseum

2000 öffnete die vom ASPR kuratierte Burgenländische Landesaustellung „Vom Kult der Gewalt zu einer Kultur des Friedens“ ihre Pforten. Die Ausstellung wurde danach in ein permanentes Museum für den Frieden umgewandelt. Es erstreckte sich über 6.000 Quadratmeter und das ASPR konnte damit den Friedensgedanken in eine breitere Öffentlichkeit tragen. Bis zu seiner Schließung 2019 konnte das Museum in 20 Saisonen 336.000 Besucher*innen begrüßen, und es wurden 30 Sonderausstellungen gezeigt.

 

Auszeichnungen

Das ASPR, bzw. die Friedensuniversität erhielten zahlreiche internationale Auszeichnungen, unter anderen

- Friedenswochen - UNESCO „Preis für Friedenserziehung“
- UNITWIN Award für „UNESCO Chair on Peace, Human Rights and Democracy“
- Friedensmuseum - Anerkennung für „hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des Museumswesens“
- VN verliehene Titel als „Peace Messenger“
- Nelson Mandela Award for Peace and Conflict Resolution

 

Alleinstellungsmerkmal

Das Profil des ASPR ist heute weltweit einzigartig. Betrachtet man internationale Referenzinstitute, so wird klar, dass sich diese vorrangig entweder mit Forschung, Bildung oder Konfliktbearbeitung beschäftigen. Wenige kombinieren zwei der Bereiche und wenige folgen einem Mehrebenen-Ansatz. Damit hat das ASPR nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, sondern auch einzigartige Möglichkeiten, Theorie und Praxis zu verbinden, einen Austausch zwischen Akademiker*innen und Praktiker*innen zu ermöglichen und die theoretischen als auch praktischen Erkenntnisse wiederum in Bildungsarbeit umzusetzen und von der lokalen bis zur globalen Ebene anzuwenden.

Das ASPR hat in den vergangenen 40 Jahren mit seinem Wirken das Leben von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt positiv beeinflusst: Das ASPR verfügt heute über ein mehr als 8.000 Personen umfassendes, weltweites Alumni-Netzwerk. Viele dieser Personen sind in hochrangigen Positionen tätig - in der Politik, der akademischen Lehre, in Friedensmissionen, der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit - und beeinflussen so das Leben von zahlreichen Menschen. Eine gute Bilanz für ein Institut welches die meiste Zeit nicht mehr als 20 Mitarbeiter*innen inklusive Administration hatte.

 

Quellen: Buch von Gerald Mader „Von der Utopie zur Wirklichkeit“, 2016; Beitrag „Wir sind 100. Burgenland schreibt Geschichte“, Eisenstadt 2021 von Gudrun Kramer: Vom Burgenland in die Welt und wieder zurück – Friedens- und Konfliktarbeit auf Burg Schlaining, In: Rathkolb Kirchknopf (Hg.) sowie interne Archive (Web & Jahresberichte)