Außerschulische Bildungsarbeit für Frieden und Konfliktlösung

Die aufgezeigten Konflikte auf den unterschiedlichen Ebenen (von der intrapersonalen bis zur internationalen Ebene) und die damit verbundenen unbefriedigten Bedürfnisse nach sozialem Bezug, Orientierung sowie nach Stabilität und Sicherheit bilden die Basis für außerschulische Bildungsar­beit für Frieden und Konfliktlösung. Sie führen dazu, dass Jugendliche und Erwachsene auch ohne institutioneller Verankerung wie im schulischen Unterricht eine solche Bildungsarbeit suchen bzw. entsprechende Angebote annehmen.

1. Beiträge zu Bildungsveranstaltungen anderer Träger

Mitarbeiter des ÖSFK werden häufig zu Diskussionsveranstaltungen eingeladen, wo sie in Referaten, Arbeitsgruppen oder Podiumsdiskussionen über die Institutsaktivitäten sowie Charakteristika der Friedensarbeit etc. berichten.

Auch besuchen Gruppen Erwachsener und Jugendlicher aus unterschiedlichen gesell­schaftspolitischen, konfessionellen, kulturellen u.a. Bereichen aus dem In- und Ausland (z.B. im Rahmen von Schüler- und Jugendaustausch) das ÖSFK, informieren sich über seine Arbeit und diskutieren friedenspo­litische Themen.

Überdies arbeitet das ÖSFK in diversesten Projekten mit anderen nationalen wie internationalen Institutionen zusammen, um einen aktiven Beitrag in der außerschulischen Bildungsarbeit für Frieden und Konfliktlösung zu leisten. Jüngstes Beispiel ist das Projekt Friedenswochen (siehe Neuigkeiten). Weitere aktuelle Beispiele finden sich untenstehend.

PeaceXChange

Die Abteilung Friedenspädagogik & Schulisches Konfliktmanagement des ÖSFK führt dieses Projekt in Zusammenarbeit mit dem Weltfriedensdienst e.V. (WFD) in Berlin durch. Weitere Projektpartner sind die Polish Humanitarian Organisation (PHO) in Warschau und People in Need (PIN) in Prag. Das Projekt läuft über drei Jahre und wird von der Europäischen Union finanziert. Ziel des Projektes ist es, Orte der Begegnung und des Wissens- und Erfahrungsaustausches für „Friedensmacher“ aus dem Süden und junge Menschen und MultiplikatorInnen aus dem Norden zu schaffen. Über verschiedene Veranstaltungen sollen die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit einer breiten Öffentlichkeit in Österreich, Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik zugänglich gemacht werden und die Möglichkeit bieten, sich über das theoretische Wissen hinaus auch praktisch mit entwicklungs- und friedenspolitischen Themen auseinander zu setzen. Die Vision ist es, die Zielgruppen, also die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, für entwicklungspolitische Problemstellungen und die Möglichkeiten der friedlichen Konfliktbearbeitung zu sensibilisieren und sie aufgrund dieses Wissens- und Erfahrungszugewinns auch über das Projekt hinaus für einen Einsatz für die Belange des Südens zu mobilisieren.  

Das Projekt inkludiert folgende Aktivitäten:

2006:

Theaterworkshop und öffentliche Theateraufführung im Rittersaal der Burg Schlaining

2007:

Rap Workshop und bundesweiter Rap Wettbewerb mit CD-Aufnahme in Berlin für die  SiegerInnen

2008:

Fußball Workshop und öffentliches Straßenfußballturnier

Die Durchführung der Workshops erfolgt in Zusammenarbeit mit der Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP) Oberwart und dem Internat Oberwart.

Nähere Informationen unter http://www.peacexchange.eu

Kulturelles Erbe – Pannonische Küche

Die Abteilung Friedenspädagogik und Schulisches Konfliktmanagement des ÖSFK führte im ersten Halbjahr 2007 in Zusammenarbeit mit dem European University Center for Peace Studies (EPU) und dem Zweig Tourismus/Ausbildungsschwerpunkt Wellness und Management der Höheren Bundeslehranstalt Oberwart das Projekt „Pannonische Küche“ durch. Das Projekt hatte eine Ausschreibung von BMBWK, Kulturkontakt Austria und der Österreichischen UNESCO-Kommission gewonnen.

Das Projekt hatte im engeren Sinn die so genannte pannonische Küche zum Inhalt, die zunächst gekocht und dann vorgestellt wurde. Die Dauer des Projektes erstreckte sich über das gesamte Schuljahr. Ende des Jahres wurde es einem internationalen Publikum – den Studierenden der EPU – in einer Burgenländischen Gala präsentiert. Die Präsentation erfolgte „dreisprachig“: Zunächst in    „hianzischer“ Mundart, dann in Standardsprache und schließlich, zum besseren Verständnis der Gäste, auf Englisch. Als Dankeschön für diese Einladung veranstaltete die European Peace University eine „International Night“, wo die Studierenden der EPU Traditionen, Bräuche und Speisen der verschiedenen Herkunftsländer präsentierten.

ALPICOM – „Adult Training on Conflict Management and Non-Violence“

Friedenspädagogik ist ein Thema über die Grenzen – darum ist ein internationaler Austausch essentiell. Demzufolge ist das ÖSFK u.a. Projektpartner der Sokrates Grundtvig 2 Lernpartnerschaft „ALPICOM – Adult Training on Conflict Management and Non-Violence“. Organisationen aus Italien, Belgien, Frankreich, Deutschland, Norwegen, Spanien, Großbritannien, der Slowakei, Ungarn und den Niederlanden haben es sich zum Ziel gesetzt, Erfahrungen im Bereich Friedenpädagogik interaktiv auszutauschen und von einander zu lernen. Ziel des Projektes ist es überdies, den Status quo von Erwachsenenbildung in Konfliktmanagement und Gewaltfreiheit in Europa zu erheben, die Ergebnisse, gemeinsam mit „Best Practices“ und „Lessons Learned“ in einem Katalog zu präsentieren und somit auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, die Erfahrungen aus den verschiedenen Ländern zu dokumentieren und Interessierten Anleitungen für effektive und effiziente Friedenserziehung zu vermitteln.

Die vorliegende Broschüre wurde im Rahmen des ALPICOM Projektes zum Erfahrungsaustausch produziert, um spezifische Informationen gezielter verbreiten zu können.

Museumspädagogik / Friedenspädagogik und Schulisches Konfliktmanagement in der Praxis

Von 2000–2006 wurde der Bereich Friedens- und Museumspädagogik und Schulisches Konfliktmanagement mit Hanna Orthofer weiter auf- und ausgebaut. Die Schwerpunkte lagen u. a. in friedenspädagogischen Führungen für Kinder und Jugendliche im Friedensmuseum Schlaining, sowie in aktiver Mediation bei Klassenkonflikten an Schulen für SchülerInnen verschiedenster Altersstufen.

Das Kindersommerprogramm bot Kindern von 6 bis 14 Jahren die Möglichkeit, eine Woche lang Workshops zu den verschiedensten Themen aus dem Bereich Frieden und Konfliktlösung in der Burg Schlaining zu besuchen.

2. Fortbildungsveranstaltungen für LehrerInnen

Wesentlichstes Instrument des ÖSFK zur Fortbildung im Erwachsenenbil­dungsbereich ist die jährlich stattfindende Internationale Sommerakademie. Sie hat jeweils einen bestimmten aktuellen Themenkomplex zum Gegen­stand und dient sowohl der Friedensforschung als auch der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit für Frieden und Konfliktlösung.

Überdies zeichnet das ÖSFK mitverantwortlich für länderübergreifende Trainings für LehrerInnen, wie das folgende Beispiel zeigt:

First UNESCO/EURED In-Service Teacher Training Course „Human  Rights and Peace Education in Europe“ 2004 – 2006

EURED (“European Education as Peace Education”) ist ein Pionierprojekt von Lehrertraining in Friedens- und Menschenrechtserziehung, das unter der Schirmherrschaft der UNESCO, und im speziellen der Österreichischen UNESCO Nationalagentur steht. Der erste EURED Lehrgang (2004-2006) ist offiziell als Universitätskurs der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt anerkannt. Das ÖSFK ist in der Person von Präsident Gerald Mader im EURED-Beirat vertreten. Überdies stellte es die Kurskoordinatorin und war Veranstaltungsort und Organisator der EURED Abschlusskonferenz.

Der erste EURED-Kurs richtete sich an alle LehrerInnen und Lehrer-TrainerInnen aus ganz Europa. Insgesamt wurden 36 TeilnehmerInnen aus 16 Ländern von 31 internationalen ExpertInnen in verschiedensten Bereichen der Friedenserziehung trainiert. Europa war ein wesentlicher Teil des Curriculums – als Thema, Ziel und Methode von Friedens- und Menschenrechtserziehung. Die verschiedenen Veranstaltungsorte (Baskenland, ehemalige DDR, Südtirol, Ungarn und das Südburgenland) folgten der Vision, den Ort auch zur Methode zu machen. Kreativität, Mut zu Neuem, Innovationsgeist etc. – all dies sind Grundpfeiler der EURED-Methode. Der erste Kurs dauerte zwei Jahre und bestand aus vier Seminaren und einer Abschlusskonferenz, bei der die TeilnehmerInnen ihre Projektarbeiten im Bereich Frieden- und Menschenrechtserziehung einer ExpertInnenrunde präsentierten.

3. Erstellung von Unterrichtsmaterialien

Das ÖSFK beteiligt sich immer wieder an der Erstellung von Unterrichtsmaterialien für die Erwachsenenbildung. Es hat mitgewirkt an der Fertigung des Medienverbundprogramms "Frieden", an diversen Publikationen des "Österreichischen Institutes für Politische Bildung", sowie an Informations­bro­schüren diverser Organisationen (Friedensbewegung, Katholische Jugend etc.).

Auch im Rahmen des UNESCO/EURED-Kurses wurden unter Mitarbeit des ÖSFK Unterrichtsmittel von, mit und für LehrerInnen entwickelt, erprobt und dokumentiert.

Aktuelle friedenspädagogische Publikationen verschiedenster Art können überdies in der institutsinternen Friedensbibliothek recherchiert und entlehnt werden.

Da Friedenspädagogik und schulisches Konfliktmanagement einen immer höheren Stellenwert innerhalb der Tätigkeiten des ÖSFK einnimmt, darf mit weiteren Aktivitäten in diesem Bereich gerechnet werden!